Wie Fiona auf den LichtenHof kam
Darum geht's
In diesem Artikel erfährst du, warum Fiona auf den LichtenHof kam, welche Rechte sie als Ziege in der Schweiz hat, wir blicken kurz auf unsere eigene Geschichte als Zuchtbetrieb zurück – und sind froh darüber, heute ein Lebenshof zu sein.
Seit wir keine Tiere mehr züchten, stellt man uns immer wieder die folgende Frage:
„Ja aber vermisst ihr denn nicht die Gitzi und Lämmer?„
... die sind doch sooo süüüss ...
Ja – die sind schon süss. Aber der Oxytocin-Rausch, den wir beim Anblick von Babies erleben, ist mit einer traurigen Realität verbunden: In einem Zuchtbetrieb müssen immer wieder ältere Tiere ausgetauscht werden, damit man jüngere nachziehen kann. Und mit „austauschen“ ist in aller Regel gemeint: Sie müssen zum Schlachter. Das gleiche Schicksal ereilt auch die meisten männlichen Nachkommen.
Die Antwort auf die häufig gestellte Frage ist also ganz klar: Nein. Wir vermissen keine Lämmer und Gitzi.
Ziegenhaltung in der Schweiz
In der Schweiz hat jedes Tier per Gesetz verschiedene Rechte, gerade auch was seine Haltungsbedingungen angeht. Diese sind in Tierschutzgesetz und Tierschutzverordnung geregelt.
Fionas Rechte gemäss Tierschutzverordnung
Fiona ist eine Walliser Schwarzhals Ziege. Damit zählt sie zur Kategorie „Ziegen und Böcke, 40 – 70kg“.
Sehr vereinfacht gesagt, stehen ihr damit bei Gruppenhaltung bis 15 Tiere mindestens 1.7 m2 Buchtenfläche zur Verfügung. Sie hat Anrecht auf 1.25 Fressplätze, die jeweils mindesten 35 cm breit sein müssen.
Würde sie in einem Stall leben, der vor 2008 gebaut wurde, dürfte sie angebunden gehalten werden. Dann müsste ihr Standplatz, ebenfalls vereinfacht gesagt, mindestens 50cm breit und 95 lang sein.
Und wie sieht es auf dem LichtenHof aus?
Wir halten unsere Ziegen freilaufend in der Gruppe. Aktuell stehen jeder Ziege rechnerisch eine Buchtenfläche von 7 m2 und 2 Fressplätze zur Verfügung. Der Laufhof ist weit über 100 m2 gross und günstig gelegen. So haben sie im Winter täglich Auslauf unter freiem Himmel.
Irgendwann wird jeder Stall zu klein
Auch wenn man seine Zuchttiere noch so sehr liebt, hegt und pflegt, holt einen die eingangs beschriebene Realität schnell ein. Zuchtziegen bringen jährlich ein Gitzi zur Welt, öfter sogar Zwillinge. So kann man sich vorstellen, dass beinah jährlich einige ältere Tiere ausgetauscht werden müssen. Das war bei uns früher, als wir mit unseren Schafe noch Zucht betrieben, nicht anders.
Es war nun also der Zeitpunkt gekommen, an dem Fiona und ihre Kollegin Amanda nicht länger auf ihrem Geburtshof bleiben konnten. Da wir genügend Ressourcen hatten, boten wir an, die beiden Ziegen gegen Ende des Jahres aufzunehmen. So durften sie im Sommer doch noch einmal mit auf die Alp.
Einzug auf dem LichtenHof
Fiona und Amanda zogen gegen Ende des Jahres 2019 auf dem LichtenHof ein. Mit auf der Alp war auch ein Zuchtbock – so waren Fiona und Amanda beide trächtig, als sie bei uns ankamen.
Am 6. März 2020 brachte Amanda ihre Zwillinge Anna und Govinda zur Welt. Einen Tag später, am 7. März 2020, gebar Fiona ihre Zwillinge Julie und Dodo.
Zu diesem Zeitpunkt waren wir noch kein Lebenshof. Damit war denn auch das Schicksal der männlichen Nachkommen Govinda und Dodo besiegelt. Nach liebevoller Pflege bei uns, einem schönen Alpsommer und unter vielen Tränen unserer Teammitglieder, wurden sie im Herbst geschlachtet.
Einstellung der Ziegenzucht...
... und Schaffung von Lebensplätzen
Im Frühling 2021 brachten Fiona und Amanda erneut Zwillinge zur Welt: Astrid, Elin, Tilda und Ida. Wir fällten den Entschluss, die Ziegenzucht einzustellen und für alle Tiere einen Lebensplatz zu schaffen. Mehr dazu erfährst du in unserem Artikel Wie der LichtenHof zum Lebenshof wurde.
Zusammenfassung
In einem Zuchtbetrieb müssen immer wieder ältere Tiere ausgetauscht werden, damit man jüngere nachziehen kann. Konkret bedeutet dies in aller Regel, dass die älteren geschlachtet werden. Anfangs Sommer 2019 wäre es auch für Fiona und Amanda soweit gewesen.
- Da wir entsprechende Ressource hatten, kamen Fiona und Amanda 2019 auf den LichtenHof.
- Sie waren beide trächtig. Da wir damals noch kein LebensHof waren, wurden ihre männlichen Nachkommen Govinda und Dodo geschlachtet.
- Wir entschieden uns 2021, unsere Ziegenzucht einzustellen und für die verbleibenden Tiere einen Lebensplatz zu schaffen.
Wenn man uns also fragt, ob wir es nicht vermissen, Lämmer und Gitzi um uns zu haben, ist unsere Antwort klar: Nein. Wir sind froh, heute ein Lebenshof zu sein.