Chemiefreie Bienenzucht

Chemiefreie Bienenhaltung

" Wer seinen Wohlstand vermehren möchte, der sollte sich an den Bienen ein Beispiel nehmen. Sie sammeln den Honig, ohne die Blumen zu zerstören. Sie sind sogar nützlich für die Blumen. Sammle deinen Reichtum, ohne seine Quellen zu zerstören, dann wird er beständig zunehmen. "
Buddha

Darum geht's

Ein kurzer Exkurs über die gefürchtete Varroa-Milbe und unseren Weg in eine chemiefreie Bienenhaltung.

Mit grosser Macht kommt grosse Verantwortung

In der traditionellen Bienenhaltung werden regelmässig verschiedene Chemikalien eingesetzt, um die Völker vor krankmachenden Keimen und schädlichen Eindringlingen zu schützen.

Worüber dabei aber kaum jemand spricht, ist die Tatsache, dass mit dem Einsatz der Chemikalien nicht nur Keime und Parasiten sterben, sondern auch Bienen. Und nicht nur das, sie lagern sich unter anderem auch in den Futterreserven der Bienen ab.

Welche Wege wir gefunden haben, um unsere Bienenhaltung möglichst sanft und respektvoll zu betreiben, zeigen wir in diesem Artikel.

Symbiose...

... statt regenerativer Landwirtschaft

Wir stellen den Anspruch an uns selbst, unser kleines Fleckchen Erde mit viele Liebe und Sorgfalt zu hegen und pflegen. Man könnte es auch anders formulieren: Wir übernehmen die Schutzherrschaft über den LichtenHof, seine tierischen Bewohner und die lokale Flora und Fauna.

Wir anerkennen, dass dies in vielerlei Hinsicht von uns abhängig sind. Mit grosser Macht kommt denn auch grosse Verantwortung.

Bei der Auswahl unserer Methoden und Produkte gehen wir dabei bewusst und sorgfältig vor. Wir achten darauf, dass unsere Bewirtschaftungspraktiken und eingesetzten Produkte der Natur nicht nur keinen Schaden zufügen, sondern ihre Gesundheit und Artenvielfalt fördern.

Denn wenn man von Anfang an konsequent bewusst und nachhaltig denkt und arbeitet, muss man anschliessend keine regenerative Landwirtschaft betreiben. Oder wie es Buddha ausdrückte, wenn man seinen Reichtum sammelt, ohne seine Quellen zu zerstören, dann wird er beständig zunehmen.

Die gefürchtete Varroa Milbe

Besonders die Varroa-Milben sind im Bienenstock unerwünscht. Denn sie sind Parasiten. Das heisst, sie sind zum Überleben auf andere Organismen angewiesen – und schaden diesen dabei.

In der Schweiz traten sie erstmals in den 1980er – Jahren auf. Eingeschleppt wurden sie durch Bienen-Importe aus Asien hierher. Unsere heimischen Bienen haben bis heute keine Resistenz dagegen.

Tote Bienen und Gift im Honig?

In der traditionellen Bienenhaltung werden regelmässig verschiedene Chemikalien – sogenannte Mitizide – eingesetzt, um der Varroa zu Leibe zu rücken.

Diese werden zwar so dosiert, dass die Dosis im Grunde nur für die Milben tödlich sein sollte. Natürlich ist das ganze aber viel komplexer. Denn

  • spontane Wechseln in der Umgebungstemperatur können dazu führen, dass die Konzentration der verwendeten Chemikalen grösser ist, als geplant, und unter Umständen doch auch Bienen zu Schaden kommen.
  • je nach Entwicklungsstadium der Bienen wirkt sich die Chemikalien auch schädigend oder gar tödlich auf sie aus.
  • Und es lagert sich auch im Bienenwachs und in den Futterreserven der Bienen ab.

Selbstverständlich werden diese Behandlungen erst nach der Ernte des für den menschlichen Verzehr bestimmten Honigs durchgeführt. Aber die Bienen haben immer auch noch Futterreserven auf den Brutwaben – und diese werden nicht geerntet.

Die Milben haften sich wie eine Zecke an die Bienen an und ernähren sich von ihnen. Dabei erzeugen sie Verletzungen, durch die alle möglichen Bakterien und Viren ein leichtes Spiel haben, in die Bienen einzudringen.

Sind die Milben erst einmal im Bienenstock angekommen, legen sie in den Brutwaben ihre Eier ab. Die Milben-Larven zehren dort an den Bienenlarven. Das hat zur Folge, dass die Jungbienen mit schweren Missbildungen und einem geschwächten Immunsystem schlüpfen. Viele sind nach dem Schlupf im Grunde gar nicht lebensfähig. Das wiederum schwächt das Volk verheerend in seinem Wachstum.

Der Varroa Milbe werden daher zwei Anklagepunkte zur Last gelegt:

  • Mitverantwortung für das weltweite Bienensterben
  • Mitverantwortung an der Verbreitung von Viren und anderen Krankheiten

Eine innovative und nachhaltige Alternative

An der ganzen Varroa Thematik scheiden sich, wie bei vielen Themen, mal wieder die Geister. Jedenfalls wurden wir sofort hellhörig, als wir vor ein paar Jahren zum ersten Mal davon hörten, dass man die Varroa auch ganz ohne Chemie behandeln kann: Mit Wärme!

Verschiedene alternative Systeme machen sich den Umstand zu Nutze, dass Varroa-Milben bei Temperaturen um die 4o Grad abgetötet werden. Die Bienen hingegen bleiben davon unberührt.

Vatorex

Wir haben uns für das System von Vatorex entschieden. Bei diesem System sind in der Wachsplatte jedes Brutrahmens Drähte eingelassen. Ein zentrales Steuerungssystem heizt darüber jeden Rahmen einzeln, jeweils im Abstand von 16 Tagen, während mehreren Stunden auf. Die Milben sterben ohne dass die Bienen Schaden nehmen.

Vorbereitung der Brutrahmen

Brutrahmen vor Einbau der Wachsplatte mit Heizschlange.

Brutrahmen nach Einbau der Wachsplatte mit Heizschlange

Modifikations der Verdrahtung

Mit etwas Kreativität haben wir eine Modifikation der Verdrahtung entwickelt, sodas die Wachsplatten sicher angebracht werden können.

Die gängige Querverdahtung der Rahmen erschwert das Anbringen der Wachsplatten. Es besteht die Gefahr eines Kurzschlusses.

Montage der Steuerungsgeräte

Beute mit installiertem Steuerungsgerät

Strom aus Eigenproduktion

Der Strom, den die Anlage benötigt, stellen wir selber vor Ort mit einem Solar-Panel her.

Unsere Bisherigen Erfahrungen

Nachdem alle unsere Beuten auf das neue System umgestellt waren, sind wir seit 2022 chemiefrei unterwegs.

Eingreifen so viel wie nötig - und so wenig wie möglich

Ein weitere Faktor, der sich positiv auf unsere Bienenhaltung auszuwirken scheint, ist die Reduktion der Anzahl Inspektionen der Bienenstöcke. Wir unterstützen die Bienen so viel wie nötig – und so wenig wie möglich. Routinemässig oder aus reiner Neugier werden hier längst keine Beuten mehr geöffnet. Jede Öffnung des Bienenstocks bringt Unruhe ins Volk.

Ausserdem machen (Wild-) Bienen ihre Arbeit seit tausenden von Jahren ganz ohne menschliches Zutun. Wir haben daher viel Vertrauen in unsere Bienen, dass sie ihren Job auch ohne unser permanentes Eingreifen ganz gut machen.

Respektvolle Honigernte

Biene sind von Frühling bis Herbst tagein, tagaus, mit der Honigproduktion beschäftigt. Zwar ernten wir gerne Honig für uns und unsere Community, aber wir überlassen auch einen Teil den Bienen.

Zusammenfassung

Lebensfördernde Praktiken

Wir stellen den Anspruch an uns selbst, unser kleines Fleckchen Erde mit viele Liebe und Sorgfalt zu hegen und pflegen.

  • Wir achten darauf, dass unsere Bewirtschaftungspraktiken keinen Schaden an der Natur anrichten.
  • Wann immer möglich, setzen wir Methoden und Produkte ein, welche die Gesundheit und Artenvielfalt der lokalen Flora und Fauna fördern.

Respekt

Unsere Bienenhaltung betreiben wir sanft und respektvoll, in dem wir

  • auf den Einsatz von Chemikalien verzichten,
  • das System von Vatorex verwenden, welches Varroa-Milben mithilfe von Wärme bekämpft,
  • die Völker weitgehend in Ruhe lassen,
  • und nur einen Teil des Honigs ernten.

Ressourcen

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